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Freitag, 3. Januar 2014

Haunting innocence

Kyoto ist leider so wie ich es mir erträumt habe. Es wimmelt nur so von Tempeln, Zen-Gärten und schönen traditionellen Wohnhäusern. 
Es sind die ersten Tage des neuen Jahres und alles ist geschloßen. Kaum jemand ist auf der Straße. Ein paar Touristen, junge hübsche Eltern, die ihre Babys spazieren fahren... Und hier und dort huschen mir süße Kimono-Mädchen ins Bild.





Montag, 4. November 2013

nun gib a ruh







Nun lass mich unverstellt
Genießen dieser Stunde vollen Frieden!
Nun sind wir unser; von der frechen Welt
Geschieden.


Dienstag, 2. Juli 2013

Trümmerwiesen

Ich bin auf der Durchreise. Die meisten Felder sind schon zerstört vom Wind und Regen, der sich auf Deutschland niederschlug. Kaum kommt man aus Berlin hinaus.

Am Feldrand sammle ich die restlichen, noch nicht verwelkten Kornblumen auf. Der Raps ist noch grün und hart. Tief tauche ich ein, in ein Wirrwarr aus grünen Sprießlingen. Irgendwo, dort ganz verschwommen erkennen ich rote Tropfen. Mohn. Ich bin auf der Suche nach rotem Mohn, der schwer zu finden sind. Von weitem leuchten sie schon auf, einsam, vielleicht etwas deplatziert.
Ein Geburtstagsstrauß soll es werden. Ein Strauss voller Schlafmohn. Nur, dass wenn ich ihn hier nicht finde, meine Geburtstagsüberraschung fällt. Ich habe auf die beruhigende Wirkung der roten Blätter gehofft, die ich so hart versuch zu finden. Die Warnung hörte ich schon, dass der, der sie isst, zwar schlafen kann in der Nacht, aber wirr und irr eilt durch den Tag. Die Enttäuschung ist sowieso immer groß. Die Blätter fallen schnell und trüb gleich ab.

Dort blüht der schöne Schlaf, dem Träume folgen, so süß und schön, dass ich nie wieder aufwachen möcht. Mein Mohn fängt bereits an seinen Kopf zu senken und weint von Tag zu Tag mehr. Ich auch.

Also dann doch keine Mohnblumen. Also dann doch ein Kornblumenstrauss als Geburtstagsgruß.




Mittwoch, 12. Juni 2013

Eine Wanderung durch Florenz: Hannibal, Savonarola und andere Todesboten


Wenn der Vorspann beginnt und die Musik gleichmäßig in die ersten Töne der Aria der Goldbergvariation übergeht, bekomme ich immer Gänsehaut. Es ist eine langsame Einspielung, keine so hastige, wie sie Glenn Gould 1955 bei seinem 1. Versuch aufnahm. Nicht nur denke ich wenn ich die Goldbergvariationen höre an mein Elternhaus, sondern auch an Hannibal Lector und sofort an diese wahnsinnige Szene, in der Commisario Pazzi aufgeschlitzt über der Piazza della Signoria baumelt. 

Ich war sehr lange nicht mehr in Florenz gewesen. Das letzte Mal muss ungefähr vor zwölf Jahren gewesen sein, aber sogar meine Eltern konnten das irgendwie nicht mehr ganz rekonstruieren. War aber auch egal, hatte ich doch komischerweise kaum Erinnerungen. Das wiederum war wohl auch nicht so schlimm, gehört Florenz doch zu einer dieser Städte, die sich mit dem Lauf der Zeit kaum verändern. Uns so kam es, dass mein Vater mich zu meinem runden 25. Geburtstag zu einer Erinnerungstour einlud. Das bedeutete natürlich ein abermaliges Studium aller Kirchen und Fresken in Florenz und nun doch das Wagnis es mit den Schlangen der Uffizien aufzunehmen. Dort war ich wirklich noch nie gewesen (Kindheitserinnerung #1: unendliche Warteschlangen) und so ließ ich mich darauf ein. Nach dem Kampf: die Ernüchterung. Vor der „Geburt der Venus“ stehen schmachtende Teenagerinnen, die "Tondo Doni" wird von japanischen Touristengruppen umkreist, Leonardos Verkündigung ... naja, jedenfalls kommt kein schönes Erhabensheitsgefühl auf. Schade. Also raus. Vom Regen in die Traufe.

Auf der Stelle an der Savonarola gehängt wurde, stampfen achtlos die Touristen auf und ab. Ich habe die Schnauze voll vom Touristenspiel und verziehe mich auf die andere Seite des Arno. Hier geht es ruhiger zu und ein wenig Florentinischer.




Zur Entspannung tue ich das, was ich am Besten in Italien kann und womit ich mich gern stundenlang beschäftige: Spritz trinken. Wer behauptet guten Spritz in Berlin zu bekommen, der irrt! Nur hier in Italien schmeckt er so wie es sein soll: nicht zu süß und nicht zu bitter mit dem genau richtigen Gehalt an Sprudel.

Mein Lieblingsplatz, der Dreiecksplatz, liegt versteckt zwischen dem Palazzo Pitti und dem Arno. Klein, aber fein, denn umsäumt mit schönen Restaurants und dieser kleinen Bar an der Ecke, die meine Nachmittage mit erschwinglichem Spritz und gutem Weißwein versüßt.

„Wie lange bleibst du eigentlich?“
„Solange wie ich will.“
„Wirklich?“
„Nein.“
„Wohin geht es als nächstes?" 
„ ...“
„Kennst du die Geschichte dieses Platzes? Wahrscheinlich nicht...
1348 fanden Kinder hier eine im Sterben liegende Taube. Die Kinder glaubten, sie sei von einer Katze angefallen worden und versuchten sie zu retten. Die Taube starb jedoch. Sie hatte die Pest. Der Taube folgten 40 000 Florentiner in den Tod.“

Langsam begann diese Stadt mich zu beunruhigen. Hinter jeder Ecke schien eine tödliche Geschichte auf mich zu warten.

"Bitte noch ein Glas. Ich bleibe hier."




Dienstag, 11. Juni 2013

über die Dinge, die hier fehlen.



 # ein vernünftiger Ausblick



# nun ja, Essen eben



 # versteckte Leseecken



# schöne Hauseingänge



# ganz viele schöne Hauseingänge 



# Nachbarn mit Sinn für Dekoration



#Ruhe im Trubel


Donnerstag, 16. Mai 2013

Puppen - Haare



Seit ich wieder in Neukölln wohne, gehe ich wieder spazieren. Das hatte ich lange nicht gemacht, dachte ich doch, um unbekannte Strassen und Ecken in Berlin zu entdecken müsste ich nach Hohenschönhausen oder Hermsdorf fahren. Stattdessen war ich stundenlang durch Shanghai gewandert, durch Taibei, Hangzhou...

Ich biege die Richardstrasse ein und trete in die dörfliche Blase des alten Neuköllns ein. Hier fühle ich mich immer geborgen, auch wenn ich keine alte Rixdorferin bin und eigentlich auch noch nicht so lange hier wohnte. Aber der Moment, an dem ich den Einkaufswahnsinn mit seinen hässlichen Betonklötzen hinter mir lasse und in die leicht angegrauten Wandschluchten des alten Berlins eintauche, beruhigt mich. Ich laufe an dem Buchladen vorbei, der nichts außer biographische Romane verkauft, bleibe vor dem Schaufenster stehen und lerne neue Menschen kennen. Ich nicke den bekannten zu und stelle mich den neuen vor. Der Buchladenbesitzer sitzt im hinteren Bereich mit krummen Rücken über seinen Computer gebeugt und spielt Passiance. Ich nicke auch ihm zu, er schaut nicht auf, wir kennen uns ohnehin nicht. Ich setze meinen Spaziergang fort. Vorbei an den unzähligen geschlossenen Fensterläden des Erdgeschoß. Die, die immer dreckiger aussehen, als alle anderen. Die, die immer, wirklich immer, geschlossen sind. Die, mit den unbekannten Gesichtern dahinter. Wer sind diese Menschen, die dort in der Dunkelheit hausen?

Ich stehe vor dem Puppenladen. Ich hatte ihn schon neulich, als ich betrunken aus dem Sameheads gestolpert bin, entdeckt. Nun hatte er auf und ich ging hinein. Puppenperücken, Arme, Beine, hohle Köpfe ohne Augen umgeben mich. Als Kind hatte ich auch eine schöne, alte Puppe besessen. Sie hatte alle zwei Jahre, immer dann wenn auch ich meine Haare verändert hatte, ebenfalls eine neue Frisur bekommen – und in ihrem Fall hieß das eine neue Perücke. Deren Haar war zwar etwas rau und glänzte nicht wie bei einer Barbiepuppe, aber dafür waren sie echt. Dann gingen ich und meine Puppe Fritzi stolz mit unseren neuen Frisuren auf die Strasse und wir sonnten uns in unserem neuen Selbstbewusstsein.
Die Dame, die hinter dem Tresen steht trägt Adidas und ein Baseballkappe und trotzdem passt sie in den Laden. Umgeben ist sie von Körperteilen und alten Postkarten Berlins vor dem Krieg – eigentlich ist der ganze Laden im Kaiserreich stehen geblieben –  aber sie, nur sie, hatte sich ein paar neue Accessoires gegönnt. Ich erkundige mich nach den Preisen für neue Echthaarperücken. Eine rote, mit langen, unten leicht wellenden, Haaren fällt mir sofort ins Auge. Fünfundsiebzig Euro soll sie kosten. „Ich komme wieder und bringe meine Puppe mit. Ich kann das nicht allein entscheiden.“

Während ich langsam die Richardstrasse weiter nach unten gehe, frage ich mich, ob ich und H. vor einem Jahr das Richtige getan hatten. Dann würde ich jetzt nicht ausschließlich mit den Toten meiner Biographien kommunizieren und mir Gedanken über die Frisur meiner Puppe aus Kindestagen machen.
Ich werde meiner Puppe meine Haare spenden. 

Mittwoch, 10. April 2013

Schattenspiele







Wohin Weshalb


Nun werde ich überall mit dieser Frage konfrontiert: Wieso lebst du denn in China? Aus einer Spielerei wurden Monate, aus Monaten wurden mehr als 2 Jahren, die ich auf dem Festland verbracht habe. Für mich war es irgendwann eine Selbstverständlichkeit und ich hatte irgendwann keine Lust mehr mich in Deutschland (mal hier, mal dort mit der Hilfe von Floskeln) rechtfertigen zu müssen, also tat ich es nicht mehr. 

Der Kontrast zu den Festlandchinesen könnte nicht größer sein. Hier scheinen alle Eigenschaften, die mir in China schon gar nicht mehr auffallen, an die ich mich (glücklicherweise oder unglücklicherweise) gewöhnt zu scheinen habe, nur noch stärker hervorzutreten. 
So entspannt, so ruhig, so respektvoll (bloß nicht den Arm neben mir berühren) - ich traue mich nicht in der Ubahn zu telefonieren und wenn dann halte ich meine Hand schützend vor den Mund. 
Und natürlich sage ich offen meine Meinung über den Status Taiwans. Auch gerne bei der ersten Begegnung mit einem älteren Ehepaar, was so freundlich ist und mich durch die ganze Stadt Hualiens kutschiert. Was mich mit einer unfassbaren Selbstverständlichkeit in seinen Familienkreis aufnimmt, mich bekocht und von gleich zu gleich und ohne Vorurteile über Politik diskutiert. 

Ist Taiwan das bessere China? Ich möchte diese Frage nicht beantworten. 




Dienstag, 22. Januar 2013

Vom grauen Rauschen

Morgens setzt das Rauschen wieder ein. Durchbrochen von den nöligen Sirenen der Krankenwagen nimmt es seine unterschwellige Monotonie auf, deren Ton irgendwann nicht mehr wahrzunehmen ist, so tief ist er in dein Bewusstsein eingedrungen. "Diäääannaaoo, koongtiaaoo, Diäääannaaoo, koongtiaaoo..." - der Marktschreier, den ich bis in meinen 10.Stock hören kann, kündigt den Beginn des nächsten Arbeitstages an. Der erste Blick aus meinem Fenster und ich wünsche, heute würde er auch "Luuuffttreeiiiniiger" schreien, aber solch einen Luxus leisten sich bislang nur die Ausländer. Ich sehe kaum das Ende der Strasse, nur grauen Dunst. In Beijing wäre es das Nichts.

Das neue Jahr beginnt beunruhigenderweise mit einem Schwall von Verschleierungen.


Am 1. Januar schrieb der leitende Redakteur der Southern Weekly wie jedes Jahr seinen Neujahrsgruß, der mit einer Auflage von rund 1.6 Millionen seit über 29 Jahren begeistert gelesen wird und bekannt ist für seine kritischen Töne. Er schrieb über die Partei und ihre Beziehung zur Verfassung. Vielleicht äußerte er sich ein wenig zu kritisch über die -  milde ausgedrückt - überhebliche Beziehung der Partei zur Verfassung, denn der Text schien dem Chef der Propagandaabteilung Guangdongs, Tuo Zhen, nicht allzu sehr zu gefallen. Schon seit dem Beginn der Ausarbeitung der Neujahrsausgabe, war es immer wieder zu Einmischungen des Propagandabüros gekommen. Zuerst missfiel ihnen das Thema der Ausgabe. Dann wurde der Titel von "Chinas Traum - Der Traum vom Konstitutionalismus" (“中国梦,宪政梦) erst zu "Wir sind unserem Traum näher als zuvor" (我们比任何时候都更接近梦想) , dann in "Heimatland Traum" (家国梦) und schliesslich in der Nacht zum 1.Januar nochmals in  追梦 abgeändert, was ungefähr mit "Die Jagd nach dem Traum" zu übersetzen ist. In dieser Nacht wurde dann endgültig das Grußwort  - wohl vom stellvertretenden Propagandaminister - umgeschrieben. Das Wort "Konstitutionalismus", um das der Text ursprunglich kreiste, wurde nun völlig gestrichen. Und so kam es, dass aus dem gewohnt kritischen Neujahrsgruß, der Zuspruch auf die Verfassung hätte sein sollen, eine Lobpreisung der Partei wurde, die wohlbemerkt mit den dümmsten Fehlern übersät war.


Dann begannen die Proteste. Die Southern Weekly trat in den Streik, vor den Toren der Redaktion sammelten sich die Demonstranten. Es kam zu einer Menge von Solidaritätskundgebungen und die Kritik an der Medienpolitik der Partei wurde heftiger. In einem öffentlichen Brief forderten mehr als dreißig Journalisten die Resignation des Propagandachefs Guangdongs Tuo Zhen. Chinas bekanntester Blogger Han Han, dem um die 30 Millionen online folgen, veröffentlichte ebenso ein sehr eindeutiges Statement. Die beliebte Schauspielerin Yao Chen zitierte den russischen Schriftsteller Aleksandr Solzhenitsyn "One word of truth overweights the whole world". Sie wurde, wie viele andere später von der Polizei "zum Tee" eingeladen.

Schon am 4. Januar war die Website eines sehr einflussreichen und sehr liberalen Magazines, der Yanhuang Chunqiu lahmgelegt worden. Bis vor ein paar Tagen wurde der Besucher von einem Cartoon-Polizeimännchen empfangen. Wieder schien der Zensurabteilung der kritische Ton und die Forderung, die Partei möge sich doch bitte an die Konstitution halten, nicht zu gefallen.

Derweile sterben Schwäne in verpesteten Seen Hunans, in Shaanxi explodieren Rohre und hinterlassen mehr als 39 Tonnen giftige Chemikalien in den Flüssen und in Shanghai wird mehr als 30.000 Bewohnern das Wasser abgestellt, weil Industriechemikalien in einen Fluss gelaufen sind. In Guangdong fließen Hunderte von Tonnen Rohöl in die Flüsse und, ach ja, Mac Donalds und KFC wurden mit Hühnchenabfällen beliefert.


In China nichts Neues.

Sonntag, 13. Januar 2013

Bored to Death - Shenzhen


Was bleibt, sind die verschwommenen Kondenzstreifen, die sich in Richtung Hongkong verlieren.
Auf meinem Schoß ruhen warme Frühlingsrollen, die ich mir mechanisch in den Mund stopfe. Das  organische Etwas, was aus ihnen hinausquillt, versuche ich zu ignorieren. Stattdessen konzentriere ich mich auf die Muster im Himmel über Shenzhen.

Scarlett Johansson sitzt in irgendeinem amerikanischen Flughafen und während sie unentwegt irgendetwas in sich hineinschaufelt, vergisst sie sich und die Zeit über "The Heart is a Lonely Hunter". Schließlich ist das Buch beendet und ihr Flugzeug ohne sie abgeflogen. Und sie wird dieses Buch nie vergessen.
Ich bin nicht Scarlett und "The Heart is a Lonely Hunter" kann mich gerade nicht retten. Mir bleibt bloß, meinen Kondenzstreifen nachzutrauern und artig auf den Flug zu warten.

Neben mir klappern die Stricknadeln und zaubern irgendetwas Rosaleuchtendes mit Zopfmuster. Für das Kind, was mir gegenüber laut aufheult, wird es wohl nicht sein. Drei Klappse auf den Hintern und aus dem  Geheule wird Geschrei. Dann folgt ein kräftiger Schlag vom Vater auf den Hintern des kleinen Jungen, der nun glücklicherweise von seiner Mutter in ihre schützenden Arme geschlossen wird. Alle anderen Wartenden starren mit stumpfen Blicken auf ihre Smartphones. Mein Nachbar bohrt dabei ungeniert in seiner Nase und versucht mit aller Fingerfertigkeit, den Dreck, den diese Stadt in seinen Besuchern ablagert, aus seinen Nasenlöchern zu entfernen.

Ich habe in Shenzhen nichts anderes gesehen außer gestapelte Frachtkontainer und monotone Hochhäuser, die im Smog der Stadt verschwimmen. Mehr will ich auch nicht sehen.
 

Montag, 10. Dezember 2012

Im Traumland







Im Vorrübergehen


Seit ich in Shanghai wohne, in diesem hohen und hässlichen Ungetüm, umgeben von einem Gewimmel kleiner Häuschen und Haustierverkäufer, gehe ich kaum noch spazieren. Liegt es daran, dass es kaum schöne Parks gibt, in denen man sich verlaufen kann? Dass es nicht dem Wesen der Stadt entspricht, für eine Weile nichts zu machen, außer langsam zu laufen? Früher, als ich in Hangzhou wohnte, musste ich nur meinen Campus überqueren und schon war ich in in den Bergen, am See oder im Botanischen Garten und ging oft stundenlang spazieren. Danach war mein Kopf wieder frei, um noch mehr chinesische Schriftzeichen aufzunehmen.

Eigentlich hatte ich mir den Tag freigenommen. Doch weil meine Kollegin mich dann doch überredet hatte mir ihr zu einem Vortrag eines Professors der Parteihochschule für die Stadtkader der Behindertenverbände zu gehen, konnte ich erst abends mit dem Zug nach Hangzhou fahren. Als ich ankam, war es schon dunkel und mit mir standen nun die unzähligen Pendler, die sich diese Menschenmengen täglich antun, in der unterirdischen Taxischlange. Ich gab nach einer halben Stunde auf und ging zu Fuß. Bahnhofsgegenden sind nie die schönsten Ecken einer Stadt - das trifft auch auf Hangzhou zu - aber nach wenigen Metern im Freien, konnte ich mich wieder genau erinnern, was ich an dieser Stadt so liebte.

Als ich das erste Mal Hangzhou besuchte, stieg ich völlig verkatert nach einer durchgemachten Nacht aus dem Flugzeug. Es war mild und zum ersten Mal roch ich in China die Luft, die mich umgab. Nach einem guten Monat im bitterkalten Beijing, erschien mir Hangzhou wie eine Erlösung von dieser wirren, Blade-Runner-Stadt. Während in Beijing und in Shanghai die Menschen stumpf und mit starrem Blick nach vorn gerichtet durch die Strassen eilen, gehen hier die Menschen noch spazieren. Während in Beijing und Shanghai die Leute wie Wahnsinnige ins Fitnesstudio rennen, wird in Hangzhou abends am See getanzt, gemeinschaftliche Fitnessübungen gemacht oder - wie ich früher auch - um den See herum gelaufen.

Früher musste ich nur den Berg hinter meinem Campus überqueren und schon war ich am See. Ich schrieb schnell eine Nachricht an meinen guten Freund und schon trafen wir uns zu einem Bier oder einem Tee am See und schauten hinaus aufs Wasser. Darum war ich nun sehr froh, dass er mich an diesem Tag nach Hangzhou einlud, um zu einer Einweihung eines neuen Photostudios zu kommen und schon kurz nach meiner Ankunft spazierten wir wie früher am See entlang. Die Bergsilhouetten verschwammen am Horizont und kleine Pagodenspitzen leuchteten wie kleine Sterne in den Bergwipfeln.

"Kennst du Gu Hongming? Ich lese gerade viel Literatur aus der Zeit des Ende der Qing Dynastie. Gu Hongming war auch nach der Xinhai Revolution ein treuer Anhänger der Monarchie und des Konfuzianimus. Lernt ihr das auch in der Uni?", fragt er mich? "Nein, von Gu Hongming habe ich leider noch nicht gehört", muss ich zugeben. "Ich habe in letzter Zeit viel über diese Periode gelesen, aber gerade in der Uni behandeln wir eher die Refomer, als die Konservativen."
"Ich finde es sehr wichtig, sich mit diesem Zeitabschnitt um die Jahrhundertwende zu beschäftigen", fährt er fort. "Viele Debatten die damals geführt wurden, sind den heutigen sehr ähnlich. Damals schwankte man zwischen Modernisierung oder Traditionalismus. Wie sah die chinesischen Moderne aus, wenn man nicht den westlichen Weg einschlagen wollte und konnte? Mit genau diesen Fragen beschäftigen wir uns heute immer noch. Und übersehen dabei oft, dass schon vor mehr als 100 Jahren schlaue Antworten gefunden worden sind."
 
Wir setzen uns in eine der kleine Pagoden, die den See säumen und schauen den kleinen Ruderbooten hinterher, die langsam über das Wasser wandern. "Ich mag den Vergleich zwischen heute und dem Ende der Ying Dynastie. Vor 100 Jahren kreisten die Debatten eigentlich um genau das gleiche Problem wie heute: Wohin? Tradition und Moderne zu welchem Anteil?", sage ich. "Dass es nicht entweder oder ist, zeigt Hangzhou. Dass es nicht einseitig sein darf, das zeigt Shanghai. Ich sollte Gu Hongming lesen."

Mein Freund zögert kurz. "Eigentlich sind wir in Hangzhou um die Ruhe zu genießen. Heute wollen wir nur spazieren gehen. In Shanghai können wir uns dann wieder mit solchen abtrakten Konstrukten wie der Moderne auseinandersetzen. Dort bleibt uns sowieso nichts anderes übrig."




Sonntag, 2. Dezember 2012

In den Gassen von Honkou

Als ich das erste Mal nach Shanghai kam, übernachtete ich nicht in der französischen Konzession und nicht im Stadtzentrum, sondern im nördlichen Honkou. Es war ein wunderschön hergerichtetes und kleines Hostel, versteckt in kleinen chinesischen geprägten Alleen und ich war ganz hingerissen von der Mischung aus europäischer Architektur und chinesischem Strassenchaos. Ich liebte es durch die kleinen Gassen zu wandern und abends auf den Strassenmärkten Muscheln mit ganz viel Öl und ganz viel Knoblauch zu essen und auf meinem Plasikhöckerchen ein Bier nach dem anderen zu trinken. Die Gassen waren voll mit dampfenden Töpfen, gefüllt mit Meerestieren, Eingeweiden und Zungen, überall wurden Kleinigkeiten verkauft, überall wurde gegessen und getrunken und dazwischen schlängelten sich Autos und Motorräder. Der Bund und alle anderen Sehenswürdigkeiten konnten mich hier dagegen nie allzu sehr reizen.
Das Hostel, das ich auf Empfehlung von Bekannten buchte, wurde mein Ausgangspunkt in Shanghai. Ich freundete mich mit dem Besitzer an, er bewirkte, dass ich mir meiner Faszination und Zuneigung für China bewusst wurde, er gab mir meinen chinesischen Namen, ich erlebte wie er plötzlich Vater wurde. Als ich jedoch das erste Mal dort übernachtete, war ich völlig unwissend, in was für einer Umgebung ich nun schlafe.

Mehr als zwei Jahre war ich nun nicht mehr dort in Honkou. Ich wohne nun in der verwestlichen Französischen Konzession, in der es mehr westliche Bäckereien, als Baozi gibt und mehr Kaffee als Tee getrunken wird. Zur Erholung schwinge ich mich auf mein Rad und fahre trotz Regen in den Norden.

Shanghai -  die Stadt mit den höchsten Wolkentkratzern, mit den größten Hotels, das viele Geld, die schicksten Restaurants, die schnellsten Transportmittel. Ausländer können sich ganz wie zu Hause fühlen; es gibt Spekulationskekse und Baumkuchen, Hummus und Shakshuka, Baby und Kindermode, die man auch in Berlin-Mitte finden würde, Schwangerenjoga und französische Wein und Käsebars.

Als 1933 die ersten jüdischen Flüchtlinge aus Deutschland in Shanghai aufschlugen, war die Stadt zwar schon international geprägt, aber doch noch ein ziemlich schreckliches Gewimmel. Das Klima war unerträglich schwül, die Wohnräume erbärmlich. Kaum einer wusste, dass man sein Gemüse und Obst vor dem Verzehr abkochen musste, es kam zu Krankheiten. Für viele jüdischen Flüchtlinge, die sich entschieden hatten, die lange Schiffahrt nach Shanghai auf sich zu nehmen, war es jedoch die letze und einzige Chance der Shoah zu entkommen. Die Konferenz von Evian hatte gezeigt, dass sich die Aufnahmebereitschaft der meisten Länder in Grenzen hielt. Keines der Länder lockerte seine Aufnahmebedingungen, niemand erhöhte die Aufnahmequote. So bliebt für viele Juden nur noch eine Möglichkeit: Shanghai, denn hier benötigte man für die Einreise kein Visum.

Shanghai war mit dem Vertrag von Nanjing 1842 zur Öffnung für den Handel mit ausländischen Mächten gezwungen worden. Nach und nach sicherten sich zunächst die Engländer, dann Franzosen, Amerikaner und schließlich die Japaner exterritoriale Rechte und stellen Teile Shanghais unter ihre jeweilge Jurisdiktion. Durch den verstärkten internationelen Handel wuchs die Einwohnerzahl und die wirtschaftliche Bedeutung erheblich. In den 1920er Jahren war Shanghai die schillernste und wirtschaftlich florierendste, aber gleichzeitg auch die berüchtigste Stadt Asiens.

In Folge der Machtergreifung Hitlers kamen zunächst rund 15 000 Juden, hauptsächlich aus Östereich und Deutschland, nach Shanghai, deren Strom sich nach der Reichsprogromnacht nochmals erheblich verstärkte. Es war weniger die jüdische Oberschicht, die auf den letzten Drücker nach Shanghai flüchtete, sondern die weniger betuchten Juden und da sich die meisten von ihnen das Leben in der internationelen Zone nicht leisten konnten, zog es sie in das ärmlich und chinesische Honkou.
Shanghai war jedoch 1937 in die Hände der Japaner gefallen. Die Situation verschärfte sich nun im Zuge des chinesich-japanischen Krieges erheblich. Lebensmittel, Wohnraum und Arbeit wurde noch knapper, was sich natürlich auch auf die Bereitschaft mehr Flüchtlinge aufzunehmen ausübte. Nach 1939 verschäften die Japaner die Einreisebestimmungen und am 18. Februar 1934 errichteten die Japaner schließlich  - auch auf Druck des Verbündeten Deutschlands - ein Ghetto in Honkou, wo die Lebensbedingungen noch härter waren. Man benötigte einen Passierschein um das Ghetto zu verlassen und die Japaner waren in China nicht gerade für ihre humanitäre Freundlichkeit bekannt. Hilfe kam nur von jüdischen Vereinen, die von von wohlhabenden lokalen Juden gegründet worden waren.

Michael Blumenthal war eines der Kinder, die eines der letzten Schiffsplätze Richtung Shanghai ergattern konnten und schließlich in der Zhongshan Lu, dem Zentrum des jüdischen Ghettos, wohnte. Nach der Befreiung des Ghettos am 3. September 1945 ging er mit seiner Familie wie viele andere nach Amerika. Nie wurde Shanghai als eine neue Heimat angesehen, sondern immer nur als Übergangslösung und so zogen die Shanghaier Juden nach Kriegsende in alle Richtungen weiter: nach Amerika, nach Australien oder nach Israel. Blumenthal machte Karriere, stieg auf bis zum Finanzminister unter President Carter und ist seit 1996 Direktor des Jüdische Museums in Berlin.
Wenige blieben in China, darunter der östereichische Urologe Jakob Rosenthal. Schon 1941 begleitete er als Militärarzt die kommunistische Armee. Als Mitglied der chinesischen Volksbefreiungsarmee kämpfte er gegen die Japaner und später im chinesischen Bürgerkrieg gegen die Guomindang.  Nach dem Sturz des Nazi-Regimes, entschied der österreichische "General Luo" in China zu bleiben und am Marsch der Roten Armee nach Beijing teilzunehmen. Er kehrte 1949 nach Wien zurück, dem Jahr in dem die Volksrepublik China gegründet wurde. 

All das wusste ich nicht, als ich zum ersten Mal durch das Honkouer Durcheinander wanderte und ich mich wunderte über die kleinen, doch viel zu europäisch angehauchten Häusern, den man jetzt noch ihre Vergangenheit ansieht. Am Ende der Zhongshan Lu fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen. Ich stand vor der Ohel Moshe Synagoge, die jetzt als Museum für Jüdische Flüchtlinge in Shanghai dient.

Die Strasse sind in Honkou nun weitgehend aufgeräumt. Die wirren Essenstände sind in die Häuser getrieben worden, viele Strassemärkte verboten worden, mein Lieblingsbarbeque exisiert nicht mehr. Manche Dinge hier verändern sich in Windeseile, andere sind in einen schleichenden Prozess verwickelt.



Dienstag, 20. November 2012

Der Herr und Gebieter über mein Internet


Während des 18. Parteitages begrüsste mich mein VPN jeden Morgen mit dem Hinweis der eingeschränkten Nutzung in China. An die Nervereien, die damit verbunden sind, regelmässig einen Blog zu schreiben, andere zu lesen und meine Facebook Nachrichten zu beantworten bin ich gewöhnt und sie sind überbewertet. Wer möchte, der weiss wie man die Great Firewall umgeht. Doch während des 18. Parteikongresses verschärfte sich nun abermals die Lage. Google wurde zeitweilig gesperrt, die VPNs ausser Kraft gesetzt und die Zensur von Mikroblogs massiv verschärft.

Jedes Mal, wenn der VPN seinen Geist aufgibt und ich meine Emails nicht abrufen kann, möchte ich einen Kopf vor mir sehen, den ich in meiner Vorstellung an den Pranger stellen kann. Mit Frust und Ärger gehe ich besser um, kann ich jemanden dafür verantwortlich machen. Aber an wem lasse ich meinen Frust aus, wem gebe ich die Schuld daran, dass meine Internetverbindung zu langsam ist oder die New York Times gesperrt ist?

Der Zensur- und Propagandachef der KP, der die rund 538 Millionen Internetnutzer in China kontrolliert, heisst Liu Yushan und hat seit letzter Woche einen der begehrten Plaetze im Ständigen Ausschuss des Politbüros ergattert. Lius ehemaliger Boss Li Changchun, der im letzten Ständigen Ausschuss für Zensur und Progapanda zuständig war, wird meist für die verstärkte Zensur der Medien in den letzten Jahren verantwortlich gemacht. Denn seit der Machübernahme Hu Jintaos wurde eher eine Verschlechterung der Medienfreiheit beobachtet. Plazierte "Freedom House" China 2007 noch auf Platz 163, so stieg China 2011/2012 auf Platz 174 ab. Angesichts der konservativen Prägung des Ständigen Ausschusses gehen viele Beobachter davon aus, dass sich die Situation noch verschlimmert. Aber was könnte noch alles gesperrt werden? Welche Regelungen können noch eingeführt werden, um die Medien und Internetnutzung noch stärker einzuschränken?

Erinnern wir uns zunächst, was wir Li Changchun verdanken. Seit 2009 - seit den Unruhen in Xinjiang - sind Twitter und Facebook gesperrt. Human Rights Websites kamen hinzu, genauso wie Youtube, Blogspot, Wordpress, Bloomberg und IMDB. Seit letztem Oktober fand sich dann auch die New York Times auf der Liste der gesperrten Websites. Anfang diese Jahres erregte die Ausweitung der Registrierungspflicht für Mikroblogger und Forumsnutzer regulärer Blogs grosse Empörung. Nutzer müssen sich von nun an mit ihrem richtigen Namen registrieren lassen, was auf eine verstärkten Kontrolle der Blogger hinausläuft.
Mikroblogging - die chinesische Entsprechung zu twittern - ist in China jedoch extrem beliebt. Allein Sina Weibo, das Netz, das Twitter nach seiner Sperrung ersetzte, hat rund 300 Millionen Nutzer. Nicht nur brisante Inhalte werden bei Sina herausgefiltert, User können auch gesperrt werden, wenn sie über sensible, politische Themen schreiben. Tippte man während des Parteitages "party congress" in die Sina-Suchzeile, wurde angezeigt: "Due to relevant laws, policies and regulations, the result of your search are not displayed."

Wer aber ist dieser Liu Yunshan, von dessen Gnade die weltweit grösste Gruppe von Internetnutzern abhängt? Liu, 1947 in Xinzhou (Shanxi) geboren,hatte in der Inneren Mongolei Erfahrungen im Propagandaapperat gesammelt. Zunächst arbeitete er als Lehrer, später bei der staatlich kontrollierten Nachrichtenagentur Xinhua und schliesslich in einer Propagandaabteilung der KP beschäftigt. 1993 wurde er nach Beijing als Vizeleiter der Propagandaabteilung des Zentralkomitees der KP berufen. 2002 stieg er zum Leiter der Propagandaabteilung auf und wurde Mitglied des Politbüros.
Du Daozheng, ein liberaler und reformbefürwortender Parteiveteran, war als Chef der "General Administration of Press and Publications" in den späten 80er Jahren, Lius Vorgesetzer, als dieser als Xinhua Reporter in der Inneren Mongolei arbeitete. Einem Artikel der "South China Morning Post" (17.11.2012, Verna Yu) zufolge beurteilt Du seinen Untergebenen Liu folgendermassen: "Liu himself is not a bad person. I have know him for years. He is a boy from the countryside, worked hard at school.(...) Later he went to the central propaganda department and basically followed that tune." He said Liu became conservative after entering the party's propaganda department."



Liu Yunshan
© REUTERS/Jason Lee

Welche Spielereien lassen Sie sich, Herr Liu, nun also noch einfallen, um die chinesische Internetgemeinde und damit auch die öffentliche Meinung unter Kontrolle hatte?


Mittwoch, 14. November 2012

Machtspielchen

An diesem Morgen kurz vor 12 Uhr mittags, trat Xi Jinping vor die Presse und beendete das Rätrselraten um die neue Führungsriege der Kommunistischen Partei Chinas. Gefolgt von den sechs neu gewählten Mitgliedern des "Ständigen Ausschusses" trat er in die Grosse Halle des Volkes ein, um den wartenden Journalisten die Ergenisse der Wahl zu verkünden. Auf Xi Jinping folgte Li Keqiang, der Nachfolger Wen Jiabaos und fünf weiteren Abgeordneten, was bedeutet, dass die Mitgliederanzahl des "Ständigen Ausschusses" von neun auf sieben reduziert wurde.

Nacheinander traten ein:
Zhang Dejiang, der bisherige Vize-Premierminister hatte Bo Xilai im März 2012 in Chongqing als lokalen Parteichef abgelöste. Er ist ein Experte für Nord Korea, wo er 2 Jahre lang studierte und gilt als Protegé Jiang Zemins.
Gefolgt wurde er von Yu Zhengsheng, dem ehemaligen Parteisekretär von Shanghai. Auch er ist ein Schützling Jiangs und gilt als sehr konservativ. 2007 hatte er Xi Jinping als Parteichefs Shanghai abelöst. Er wird in 5 Jahren nicht wieder als Kandidat für den Ausschuss antreten koennen, da er das festgelegte Rentenalter von 68 Jahren ueberschritten haben wird.
Liu Yunshan, der anschließend eintrat, ist der Direktor der Propagandaabteilung der Partei und damit fur die Medien und dessen Zensur zuständig. Auch er gilt als konservativ aber als ein Protegé Hu Jintaos.
Wang Qishan, Vize-Premierminister, war jahrelang als Chefunterhändler zuständig für die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA. Während den Olympischen Spielen war er Bürgermeister in Beijing. Wie Yu Zhengsheng wird er nach 5 Jahren aus dem Ausschuss ausscheiden, da er zu alt sein wird. Im Gegensatz zu den bereits genannten gilt er als liberal.
Als letzter trat Zhang Gaoli in den Saal ein. Zhao, der Parteivorsitzende von Tianjin, gilt wie auch Zhang Dejiang und Yu Zhengsheng als ein Günstling Jiang Zemins.

Drei der sieben Mitglieder des Ständigen Ausschusses gelten damit als Protegés Jiang Zemins, der 2002 als Parteichef abgelöst wurde, was eine sehr unausgewogene Mischung bedeutet.
Nur einer konnte das Machtspielchen gewinnen: Jiang Zemin oder Hu Jintao. Viele Chinaexperten sprechen von einer in zwei Fraktionen gespalteten Partei. Auf der einen Seite, die "Shanghaier Clique", die sich aus Schützlingen und der Folgschaft Jiang Zemins zusammensetzt und einen sehr konservativen Ruf hat. Hu Jintao steht an der Spitze der anderen Koalition, deren Zentrum die "Kommunstische Jugend Liga" ist. Die neue Aufstelleung bedeutet, dass Jiang sich durchsetzen konnte.

Was bedeutet diese Aufstellung aber nun für die politische Richtung Chinas? Der Ständige Ausschuss ist konservativ geprägt und nicht, wie viele noch vor ein paar Wochen hofften, liberaler als vorher angehaucht. Weder Wang Yang, der jetzige Parteichef Guangdongs, noch die einzige Frau Liu  Yandong, die als Kandidatin im Gespäch war, haben einen Sitz erhalten. Es ist eine vorsichtige Entscheidung, die nicht erwarten lässt, dass es zu radiakalen Veränderungen und tiefen Reformen kommen wird. Die Aufstellung klingt definitiv nicht nach grossen Veränderungen.
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Hu Jintao wirkte Xi Jinping jedoch erfreulich entspannt. Er lächelte viel, wirkte selbstsicher und gar nicht steif. Und, das betonte meine Kollegin, Xin habe eine sehr angenehme Stimme, die rein gar nicht nach bedrohlicher Propagandastimme klänge.



http://www.bbc.co.uk/news/world-asia-china-20322288


Xi leads top leadership to meet press
[Photo/Xinhua]

Nebenbei

Eigentlich gibt es heute wichtigere Neugkeiten, denn um 11 Uhr chinesischer Zeit sollen die neu gewaehlten Mitglieder des Staendigen Ausschusses der Presse vorgestellt werden.
Aber vielleicht auch interessant zu erwahnen ist, dass laut dem Shanghaier Gesundheitsministerium 40 Prozent der Shanghaier Bevoelkerung uebergewichtig oder gar adipos sind, wobei die BMI Messlinie in China aufgrund der genetischen Unterschiede zu Europaeern heruntergesetzt wurde. Als uebergewichtig werden in China diejenigen eingeschaetzt, die einen BMI ueber 24 aufweisen oder als adipos mit einem BMI ueber 28. Die "China Daily" (14.11.2012) spricht gar von einer "obesity epidemic". Nun moechte die Shanghaier Lokalregierung dagegen angehen und organisiert einen Wettbewerb, um die Bevoelkerung anzutreiben abzunehmen. Shanghaier, die erfolgreich 3 Kilogramm abnehmen, wird ein Preisgeld bis zu 2000 Yuan ($321) versprochen.

Montag, 12. November 2012

BeiShang









Shanghai und Beijing sind ein wenig wie München und Berlin. In München ist es zwar wärmer, aber Berlin taugt mir doch mehr.